Miss Marx, 2020, Susanna Nicchiarelli (Foto: Viennale)

Miss Marx

Regie: Susanna Nicchiarelli; mit: Romola Garai, Patrick Kennedy, Felicity Montagu. IT/BE, 2020, 107 min. Englisch mit dt. UT
 
Davor:
Viennale-Trailer 2020: Ad una mela Alice Rohrwacher. IT/AT, 2020, 2 min. OF
 
Was bedeutet das, seiner Zeit voraus zu sein? Eleanor Marx tritt nach dem Tod ihres Vaters Karl ein schweres Erbe an: Einerseits soll sie dessen Werk bewahren, andererseits hat sie eigene Ambitionen. Nicchiarelli zeigt in ihrem Biopic eine Frau, die den Widersprüchen ihrer Epoche lange standhält, und dann doch daran zerbricht. Mit scharfem Blick geißelt Eleanor die systemische Benachteiligung der Frauen, aber keine noch so klare theoretische Einsicht bewahrt sie vor dem Scheitern im Privatleben. Führt eine Linie von Eleanor zu den Punk-Rebellinnen? Eine Frage, die der Score von Miss Marx suggeriert, und ein kleiner, aus der Zeit fallender Tanzauftritt gen Ende. (Barbara Schweizerhof)

Ad una mela: Dieser vermaledeite Apfel. Baum der Erkenntnis, Vertreibung aus dem Paradies, Erbsünde; seither mühseliges Krauchen auf Erden und Brotverzehr im Schweiße unseres Angesichts. Sowie ewiger Vorwurf ans weibliche Geschlecht, verantwortlich für das Elend der Menschheit zu sein. Was hab' ich damit am Hut?, scheint das fröhliche Mädchen zu fragen, das da herzhaft in ebensolchen hineinbeißt, und sieht sich sogleich eines Besseren belehrt. Denn prompt sitzt das Teufelsobst auch schon auf ihrem Kopf und ruft eine weitere Assoziation herbei: Wilhelm Tells Tyrannenmord. Inkriminierte Unschuld, Schöpfung aus Schatten, die Künste und die Musen – wieviel doch in einen so kurzen Film passt! (Alexandra Seitz)
 
In Anwesenheit von Susanna Nicchiarelli und Alessio Lazzareschi (Produzent)

Spieltermine: