Clebs, 2019, Halima Ouardiri (Foto: Viennale)

Kurzfilmprogramm 1: Somewhere in this World

Oceano mare Antoinette Zwirchmayr. AT/IT, 2020, 6 min. Stumm
Ist es eine verlorene Tochter, die wir hier mit der Natur verwachsen sehen? Sie steht regungslos entrückt oder liegt wie Strandgut auf dem rissigen Boden einer ausgetrockneten Flusslandschaft. Ihre Haare im Close-up wie Gräser. Dann weitet sich die Perspektive zu einem größeren Gewässer, werden Strand, Steine, (Licht-)Punkte auf ihrem Körper und in den Wellen verfremdet – Bewegungsrochaden zwischen Film, Poesie und Fotografie. "Das Meer, eine Idee. Oder besser, ein Streifzug der Fantasie", heißt es in Alessandro Bariccos titelgebendem Roman. (Roman Scheiber)

Sacrificio per la sirena Friedl vom Gröller. AT/IT, 2020, 4 min. Stumm
Friedl vom Gröller ist endgültig dem Wasserkult verfallen. Besser gesagt: Sie huldigt dem afrikanischen Wassergeist Mami Wata ("Mutter des Wassers") in einer überraschend farbenfrohen, meerjungfräulichen und dabei durchaus hamurigen Ode an die Freuden des Lebens und die körnigen Qualitäten des 16mm-Films, welcher in den sonnigen Lichtspiegelungen der welligen Wasseroberfläche bekanntlich seine ausdrucksstärksten Tänze absolviert. Für diesen Film sollte Gröller eine wunderschöne Rose erhalten! (Roman Scheiber)

Figure Minus Fact Mary Helena Clark. US, 2020, 13 min. OF
The topic of the lecture – a 12 year-old Palestinian girl sentenced to over four months in adult prison for carrying a knife – is real, but the lecturer (brilliantly played by Hani Furstenberg) and her content are not. Israeli multimedia artist Roee Rosen conjures an academic address that begins normally but soon devolves into erotic musings, self-doubts, and a riot of metaphors. "I pretend or profess to tell something that has a documentary status, but the scholarly mode becomes parodic" (Rosen). (Adrian Martin)

Clebs Halima Ouardiri. CA/MA, 2019, 18 min. Arabisch mit engl. UT
Hunderte Hundeleiber füllen rasch die Leinwand, denn es gibt was zu fressen. Clebs zeigt das Treiben in einem marokkanischen Aufnahmelager für Straßenköter. Es wird gebellt und geknurrt, mit den Schwänzen gewedelt. Dann dösen alle in der Mittagshitze. Atmendes Fell; zusammengepferchter Zwangsstillstand. Ein hereinwehender Ausschnitt aus den Radionachrichten schlägt einen Interpretationsrahmen vor – und nun zum Wetter. Doch entgegen des ersten Anscheins entwirft Ouardiri keine einfache Metapher. Es sind nur Hunde. Nur Hunde? Alexandra Seitz

Look Then Below Ben Rivers. GB, 2020, 22 min. OF
Schon immer auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Fiktion unterwegs, entführt Rivers uns diesmal auf eine hypnotische Reise in die Zukunft unseres Planeten. Zugleich verweist er auf unsere Vergangenheit als Höhlenmenschen: Wo sie einst die Reste ihrer Kultur hinterließen, hat sich eine neue Spezies eingenistet – hervorgegangen aus den Ruinen der Umweltzerstörung, begleitet von einem Off-Text des Sci-Fi-Autors Mark von Schlegell und umgeben von prächtigen Farben und Formen, die dem Filmmaterial eingeschrieben sind. (Roman Scheiber)
 
In Anwesenheit von Antoinette Zwirchmayr und Friedl vom Gröller

Spieltermine: