Desaparición incompleta, 2020, Alan Martín Segal (Foto: Viennale)

Kurzfilmprogramm 3: Sent Messages

Point and Line to Plane Sofia Bohdanowicz. CA/IS/US/RU, 2019, 18 min. OF
Die Kollaborationen von Sofia Bohdanowicz und Deragh Campbell gehören zu den aufregendsten des unabhängigen Kinos. In ihrem neuesten Kurzfilm setzen sich die Regisseurin und ihre Schauspielerin mit den ephemeren Überbleibseln auseinander, die ein verstorbener Mensch bei uns hinterlässt. Während die Protagonistin auf ihrer Trauerreise, die sie auch nach Wien führt, von Bild zu Bild geisterhafter wird, klammert sie sich an ein zugleich analoges und digitales Erinnerungsarchiv, das sie zunehmend zu einer Zeitreisenden macht. (Patrick Holzapfel)

Autoficción Laida Lertxundi. US/ES/NZ, 2020, 14 min. Omspan/eU
Im Kontext der Stadt Los Angeles und einer Bürgerrechtsdemo verbindet dieser experimentelle, auf analogem Material gedrehte Kurzessay assoziativ Bilder und Töne, Verfremdungen, akustische und visuelle Spielereien und lässt dazwischen dokumentarisch ausschließlich Frauen zu Wort kommen. Sie erzählen in die Kamera oder einander von entscheidenden Phasen ihres Lebens und stellen sich damit der zentralen Frage nach der "Autofiktion", nach der Gestaltungs- wie der Deutungsmacht über das eigene Leben: (Wie) Kann ich mich selbst erfinden? (Barbara Kronsfoth)

The Game of Shifting Mirrors Amit Dutta. IN, 2020, 26 min. OmeU
Dieser Film lässt sich durchwandern wie eine indische Weltausstellung. Er verpflichtet sich einer strengen Ordnung und zugleich einer gelassenen Neugier. Seine Besucherinnen und Besucher nimmt Amit Dutta mit festem Griff an der Hand, lässt sie eine ethnografisch-kunsthistorisch-imaginäre Zeitmaschine besteigen und verführt sie in einen als vedisches Ritual konzertierten Hindu-Kosmos, dessen wundersamer Sogkraft sie sich nicht entziehen können. Kapitulieren Sie vor der Kamera und schlagen Sie nach im Satapatha Brahmana! (Roman Scheiber)

Desaparición incompleta (Incomplete Disappearance) Alan Martín Segal. AR, 2020, 15 min. Englische ZT
Robert Altmans Filme der 1970er Jahre gaben dem Publikum gern zu Beginn ein konventionelles Element zum Anhalten, nur um es im Verlauf der Narration in die Irre zu führen. An jene Devise kann man sich auch im Fach des gehobenen Konzeptfilms halten, wie Segal mal in einem Interview meinte und nun mit seiner neuen Arbeit beweist. Es geht um Rhythmus, Variation und Wahrnehmung von Zeit, so viel ist klar, doch zwischen den Polen Bildinformationssättigung und Kargheit des Ausdrucks besteht jede Menge individueller Interpretationsspielraum. (Roman Scheiber)

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