Sekundenarbeiten, 2021, Christiana Perschon

Kurzfilmprogramm 1: Inheritances

Patrick Luke Fowler. GB, 2020, 21 min. Englisch
Patrick Joseph Cowley (1950–1982) erfand elektronische Soundscapes für die Tanzfläche. In der damaligen Schwulenwelthauptstadt San Francisco komponierte er Gay-Porn-Ambient-Scores oder schmiss nach seiner Hit-Dance-Single "Menergy" benannte Parties im legendären "The EndUp"-Nachtklub. Dem an Aids verstorbenen Musikpionier widmet Fowler ein stimmiges 16mm-Porträt und schließt damit einen reichhaltigen kulturellen Freiheitsmoment Ende der Siebzigerjahre mit der intensiven Blüte eines kreativen Lebens kurz. (Roman Scheiber)

Glimpses from a Visit to Orkney in Summer 1995 Ute Aurand. DE/GB, 2020, 5 min
Blumen, wie hingetuscht nur für ein flüchtiges Erscheinen und Verschwinden, und Kuhaugen so unscharf, dass sie selbst wieder Teil der Vegetation auf dem Archipel Orkney sein könnten. Aurands posthume Hommage für Margaret Tait gilt einer Geistesverwandten, aufgenommen während eines Besuchs bei der schottischen Ärztin und Avantgardistin, die ihre Arbeiten stets als Filmgedichte und "First Person Cinema" verstand. So auch hier: "Ich mag die Idee einer kurzen Berührung – Bilder und Töne verschwinden, Gefühle und Erinnerung bleiben." (Stephan Settele)

Querida Chantal Nicolás Pereda. MX/ES, 2021, 5 min. Spanisch mit engl. UT
"Liebe Chantal" – Filmemacher Pereda schreibt an die verehrte Kollegin Akerman, die die Wohnung seiner Schwester, einer Malerin, mieten möchte. Er drückt Akerman seine Bewunderung aus und schildert die Vorzüge der Unterkunft, während die Schwester mit Büchern und Bildern hantiert und klares Licht in Räume flutet, die ihre Bestimmung noch nicht gefunden haben oder bereits wieder verloren. Der Film schiebe sich sinnlos geschäftig vor den wahren Sinn der Bilder, denke die Schwester, schreibt der Filmemacher. Was Chantal wohl dazu gesagt hätte? (Alexandra Seitz)

Sekundenarbeiten Christiana Perschon. AT, 2021, 14 min. Deutsch mit engl. UT
Lieselott Beschorner ließ sich mit ihrer Kunst nie irgendwo einordnen. Auch über 90-jährig ist sie vor allem am kreativen Akt selbst interessiert – nicht nur dem eigenen. Sie zeigt sich erfreut über die aufziehbare 16mm Kamera der Filmemacherin, die mit dem separierten Ton (von Perschon konsequent vor Schwarzbild gesetzt) und der kurzen Laufzeit wie geschaffen ist für die rein aus dem Impuls enstehenden Sekundenzeichnungen. Besteht deren Wesen doch darin, zu enden, bevor der Strich ein Ziel, eine Bestimmung findet: "wie ein Atemzug und weg". (Barbara Kronsfoth)

Das Rad Friedl vom Gröller. AT, 2021, 3 min
"Denk ich ans Filmen in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht", hieß einst eine Personale der Lichtbildkünstlerin Gröller/Kubelka im ÖFM – der intime Rahmen dieser spaßigen Film-Turn-Übung mag daran erinnern. Titelgebend und schlagend: die scheinbar mühelos redundante – dabei freilich ungeheuer facettenreich und vielsagend und ironisch inszenierte – kernig-körnige Leibesertüchtigung einer gewissen Johanna Kubelka. Bitte verschlafen Sie nicht den wunderschönen Twist in der Schlussminute! (Roman Scheiber)
 
Renate Ute Aurand. DE, 2021, 6 min. Deutsch
Ist es die Nähmaschine der Berliner Filmemacherin Renate Sami, die man da hört, oder doch das markante Geräusch von Ute Aurands 16mm-Kamera mit Handaufzug? Ein verdichtetes Kurzporträt drinnen und draußen zwischen sanften Auf- und Abblenden, ein „film d’atmosphère“ der ganz eigenen Art; Erinnerungen an frühe Kinoerlebnisse und Friederike Mayröcker im Buchregal. Und wie als Motto für Aurands gesamtes Filmschaffen singt Brigitte Horney dazu: "So wie das Meer ist das Leben, ewig Ebbe und Flut." All dies, wohlgemerkt, in weniger als sechs Minuten. (Stephan Settele)
 
arrojalatierra Valentina Alvarado Matos. ES, 2021, 15 min. Spanisch mit engl. UT
In dem nach streng formalen Parametern organisierten Werk der venezolanischen Künstlerin Matos geht es um das Arbeiten mit Erde und Ton, um das Formen von Keramiken und schließlich um das Feuer, das alles frisst. Und um einen Tanz von Händen und Füßen, deren Choreografie das Handwerk in eine Form von karger visueller Poesie übersetzt. arrojalatierra ist eine reduzierte Etüde in Schwarzweiß, bei der vor allem durch eine raffiniert gesetzte Disproportionalität zwischen Bild und Ton künstlerischer Mehrwert geschaffen wird. (Thomas Mießgang)
 
In Anwesenheit von Christiana Perschon, Ute Aurand und Friedl vom Gröller

Spieltermine:

Fr 22.10.2021 16:00
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