Sie möchte, dass er geht, sie möchte, dass er bleibt, 2021, Viki Kühn

Kurzfilmprogramm 7: A Certain Intimacy

Surviving You, Always Morgan Quaintance. GB, 2020, 18 min. Englisch
In weißer Schrift auf Bilder vom proletarisch-harten Süden Londons blendet Quaintance Erinnerungen an seine Jugend in den 1990ern, an eine erste Liebe, die den Knast nicht übersteht, vor allem aber an die Wochenenden, an denen er sich mit anderen Teenagern den Kopf mit Acid wegknallt, bis der Horror der Halluzinationen ihn verschlingt. Vor diesen Realitäten entlarvt sich das Geraune Timothy Learys, der aus dem Off Bewusstseins-erweiterung und Erleuchtung durch psychedelische Drogen preist, schlicht als klassenvergessener, egozentrischer Zynismus. (Barbara Kronsfoth)
 
House of Love Pierre Creton. FR, 2021, 21 min
Die Entdeckung des Vertrauten, diesmal im Rotationsprinzip. In einer hypnotischen Folge von 360-Grad-Schwenks erschließt sich Cretons Kamera drei Innenräume in drei Häusern. Ihre Kreisbewegung vollzieht sie dank eines so genialen wie naheliegenden Tricks, wie er den Erfindern des Kinos hätte einfallen können: Sie ist auf einen laufenden Plattenspieler installiert. Das Licht wechselt mit den Tages- und Jahreszeiten. Die Zeit vollbringt ihr Werk. Cretons Stillleben in Bewegung werden heimgesucht von den Geistern der Vergangenheit und Zukunft. (Gerhard Midding)
 
The Parents' Room Diego Marcon. IT/GB, 2021, 11 min. Englisch
Auf dem Fensterbrett zwitschert eine Amsel; da beginnt der auf dem Bett sitzende Mann im Zimmer zu singen: die traurige Mär vom erweiterten Selbstmord. Und die Toten stimmen ein in sein Lament, bestätigen das Schauerliche – das lange nachhallt, während draußen vor dem Fenster leise der Schnee rieselt. Von Ferne sieht das aus wie eine Stop-Motion-Animation, es ist aber keine, vielmehr tragen die Darsteller Masken. Der aufwändige Score behauptet die Grandezza des Mainstreamfilms, dessen Strategien der Manipulation hier gerade ins Leere laufen. (Alexandra Seitz)
 
Some Kind of Intimacy Toby Bull. GB/FR, 2021, 6 min. Englisch
Viel stereotypischer lässt sich eine englische Landschaft eigentlich kaum denken. Man kann das regennasse, saftige Gras, gespickt mit heruntergefallenen Äpfeln, förmlich spüren. Dazwischen weidet andächtig eine Herde Schafe. Eben jene Schafherde wird hier von Toby Bull behutsam beobachtet. Grasend in ihrem eingezäunten Gehege werfen sie intime Blicke in die Kamera, oder manchmal auch nicht. Offen bleibt die Frage, ob sie tatsächlich wahrnehmen, welche besondere Beziehung der Mensch hinter der Linse zu diesem Ort hat? (Tobias Greslehner)
 
Sie möchte, dass er geht, sie möchte, dass er bleibt. Viki Kühn. AT/DE, 2021, 13 min. Deutsch mit engl. UT
Zwischen Polarlicht und Bipolar-Diagnose. Da geht es einem geliebten Menschen nicht gut, im auf dem Kopf stehenden Krankenzimmer, das die Kamera tastend erkundet. Tränen, Blicke aus dem Fenster und ein Lied zur Gitarre in einem besseren Moment. Einmal heißt es, dass ein Gedicht, das man nicht auswendig kann, so recht noch keines sei. Seit ihren ersten Filmarbeiten versteht Viki Kühn ihr Metier immer auch als ein zutiefst musikalisches, gleichermaßen bestimmt von taktiler Intimität und einer Poetik der Distanz: "Was anfangs so schön war, wird jetzt zum Zwang." (Stephan Settele)
 
In Anwesenheit von Viki Kühn

Spieltermine:

Do 28.10.2021 16:00
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Während der Viennale von 21. bis 31.10. sind keine Reservierungen möglich, es gelten gesonderte Ticketregelungen. Tickets sind ausschließlich an Viennale-Kassen, per Telefon 01/526 594 769 oder unter www.viennale.at erhältlich.