eartheartheart, 2021, Daïchi Saïto

Kurzfilmprogramm 8: A Radiant Earth 

Happy Valley Simon Liu. HK, 2020, 13 min
Wie getrieben von der Angst, dass es all dies bald nicht mehr geben könnte, läuft da einer durch ein Hongkong der kleinen Dinge und alltäglichen Anblicke, setzt der ungewissen Zukunft seinen ganz an dieser Stadt geschulten, frei flanierenden Wahrnehmungsapparat entgegen. Die verwaisten Regenschirme der Studentenproteste und alte Stadtautobahnen, Zootiere und nächtliche Neonwelten, eingehüllt in kantonesische Schlager und TV-Satzfetzen aus den allgegenwärtigen Soaps, werden zu Mosaiksteinen einer frenetischen Archäologie des urbanen Raums. (Stephan Settele)
 
Inner Outer Space Laida Lertxundi. EE, 2021, 16 min
Tastend und indirekt verläuft in diesem Kurzfilmtriptychon die Kommunikation zwischen den Figuren, die Kontaktaufnahme in und mit der Landschaft und der Natur. Annäherung, Berührung findet über Repräsentanzen statt, über Fotos und Film, im Zeichnen, als akustischer Eindruck oder stiller Dialog. Die Menschen scheinen (noch) nicht beheimatet in dieser Wirklichkeit. In der emblematischen Schlusssequenz tauchen zwei von ihnen ein in projizierte Bilder von Küste und Meer und lassen deren Plastizität geradezu physisch spürbar werden. (Barbara Kronsfoth)
 
earthearthearth Daïchi Saïto. CA, 2021, 30 min
Zuerst ist da ja noch ein Morgengrauen, aber bald fällt der Morgen weg und nur noch das Grauen bleibt. Dennoch ist Kontemplation angesagt, wenn Saïto in seinem zehnten Kurzfilm von Auslöschung und Apokalypse erzählt – und uns ein Schauer über den Rücken läuft, indes der grandiose, sakral verbrämte Score von Jason Sharp uns in die Gehörgänge kriecht und die Textur des Ganzen kaum je einen Zweifel zulässt: Während wir versunken im Kinosessel sitzen, holt uns draußen die Zukunft ein. (Roman Scheiber)
 
Parenthèse Fabrice Aragno. CH, 2021, 7 min
Einer der bescheidensten und zugleich größten Filme im Programm. Fabrice Aragno, den meisten als Kameramann der jüngsten Filme Jean-Luc Godards bekannt, steigt hier sinnbildlich und dem Titel entsprechend aus dem Strom des Alltags aus, um sich in einer zärtlichen Naturbeobachtung samt Fuchs, Vögeln und Bäumen im Wind zu verlieren. Die Motive wiederholen sich, die Zeit beginnt zu leben. Ein Film wie eine Warnung der Stille an den Lärm und eine Erinnerung an all das, was wirklich zählt. (Patrick Holzapfel)
 
Un bananero no es casualidad Luiza Gonçalves. ES, 2021, 10 min. Spanisch/Französisch mit engl. UT
Im baskischen San Sebastián, das auch ein weltweit führendes Zentrum der künstlichen Befruchtung ist, wundert sich die Filmemacherin über die vielen dort angepflanzten sterilen Bananenbäume. In etlichen Telefonaten mit der Parkverwaltung lässt sich jedoch nicht kären, warum dies so ist. Der nur vorgeschützt naive Zugang mit grobkörnigen S-8-Aufnahmen wendet sich hin zum unsichtbaren Wurzelwerk, wird selbst rhizomatisch und zur politischen Meta-Genealogie einer Pflanze, die seit Langem untrennbar mit Ausbeutung und Landzerstörung verwoben ist. (Stephan Settele)
 
In Anwesenheit von Laida Lertxundi

Spieltermine:

Fr 29.10.2021 16:00
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Während der Viennale von 21. bis 31.10. sind keine Reservierungen möglich, es gelten gesonderte Ticketregelungen. Tickets sind ausschließlich an Viennale-Kassen, per Telefon 01/526 594 769 oder unter www.viennale.at erhältlich.