Depot Animationsklasse der Angewandten

Mit der Meisterklasse unter der Leitung von Maria Lassnig an der Hochschule für angewandte Kunst (heute Universität für angewandte Kunst Wien) wurde ab 1982 der österreichische Animationsfilm neu definiert. Hubert Sielecki wurde beauftragt, das Studio für experimentellen Animationsfilm einzurichten und war fortan für Lehre und Leitung zuständig, bis er 2012 in Pension ging. Maria Lassnig förderte die Idee, kurze Trickfilme zu produzieren, die stark von Malerei und bildender Kunst geprägt waren. Diese Tradition wurde unter neuer Leitung von Christian Ludwig Attersee ab 1992 übernommen, die Studienrichtung besteht bis heute.
 
Es entstanden in einem Zeitraum von 1983 bis 2000 vor allem Filme auf analogem 16mm-Material. Das Österreichische Filmmuseum hält das Depot, das einen großen Teil dieser Filme umfasst. Es finden sich darunter 137 verschiedene Titel zumeist mit Ton und in Farbe von über 40 Filmemacher*innen wie Mara Mattuschka, Bady Minck, Martin Anibas, Sabine Groschup, James Clay, Lisi Frischengruber und Roland Schütz. Die Filme wurden auf vielen internationalen Filmfestivals gezeigt und ausgezeichnet.
 
Sie geben einen breiten Überblick über den Stil und das Filmverständnis der Klassen. Die Experimentalfilme zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Materialität ihrer Mittel in den Vordergrund stellen oder dass sie abstrakte Formen, Körperlichkeit, Sexualität, Alltäglichkeit oder gesellschaftliche Grenzen in den Mittelpunkt rücken. Die Filme sind meistens zwischen ein bis fünf Minuten lang, wurden auf Farbnegativmaterial gedreht und später mit Magnetton versehen. Die Filme sind zum Teil wenig verblasst, was zu einem großen Teil auf das Material Eastman Color Print (LPP) zurückzuführen ist, einige schwarz-weiße Kopien sind jedoch von starker Aussilberung betroffen.


Im Zuge der Aufarbeitung des Depots sind uns zwei Schätze in die Hände geraten, die sowohl das Filmmuseum als auch die Künstlerinnen als verloren betrachtet haben: Je ein Trailer von Bady Minck und Sabine Groschup für das Österreichische Filmmuseum, entstanden Anfang der 1980er Jahre. Die Filme wurden vom Filmmuseum digitalisiert und farbkorrigiert. Von Sabine Groschups Film war leider kein Ton mehr erhalten, sie hat deshalb Martin Lauterer (Musiker, Tontechniker, Produzent) gebeten, ihn neu zu vertonen.