Derek Jarman
19. März bis 30. April 2026
"Was ich vermisse, da es nun keine weiteren Filme von Derek Jarman geben wird: das Chaos, den Jargon, die Poesie, die Musik von Simon Fisher Turner, echte Gesichter, den Intellektualismus, die schlechte Laune, die gute Laune, die Frechheit, die Vorschriften, die Anarchie, die Romantik, die Klassik, den Optimismus, den Aktivismus, die Freude, den Dünkel, den Widerstand, den Esprit, den Kampf, die Farben, die Anmut, die Leidenschaft, die Schönheit." Tilda Swinton, 2002
Derek Jarman war nicht nur einer der bedeutendsten britischen Filmemacher, er nimmt prinzipiell eine führende Position unter den Kunstschaffenden seines Landes im 20. Jahrhundert ein. Der versierte Maler, Designer und Schriftsteller war 1986 der erste Filmregisseur, der für den renommierten Turner-Preis nominiert wurde. Im eigenen Land ein Magnet für Kontroversen – seine überschwängliche "Queerness" erzeugte in einer Zeit staatlich sanktionierter Homophobie Spannungen –, wurde er im Ausland verehrt. So sieht der US-Schriftsteller und Journalist Dennis Cooper in Jarman "Pasolinis wahren Nachfolger".
Pier Paolo Pasolini wurde im November 1975 im Alter von 53 Jahren ermordet. Im August 1976 feierte Sebastiane, Jarmans Spielfilmdebüt, beim Filmfestival Locarno Premiere, eine in Sardinien gedrehte, lateinisch gesprochene, mit Nacktheit gespickte Hommage an den Heiligen der römischen Legionäre. Nachdem der italienische Schriftsteller Alberto Moravia Sebastiane in Rom gesehen hatte, versicherte er begeistert, "dass Pier Paolo den Film geliebt hätte".
Es war ebenfalls in der Ewigen Stadt, wo Jarman als Kind seinen ersten Kinofilm sah: "Ich war eher Teil von The Wizard of Oz, als dass ich ihn nur gesehen hätte. Seither liebe ich diesen Film, eine Liebe, gepaart mit der dunklen Vorahnung über die emotionale Kraft von Filmen."
Diese verführerisch gefährliche Energie pulsiert durch den ersten "offiziellen" Punkfilm Großbritanniens, Jubilee (1978), und die radikalste Camp-Adaption von Shakespeare, The Tempest (1979). Das unorthodoxe Künstler-Biopic Caravaggio (1986) war Jarmans erste Zusammenarbeit mit der späteren Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton, die sich seither für ihren Mentor starkmacht.
Nachdem Jarman 1986 positiv auf das HIV-Virus getestet wurde, wandte er sich in seiner Arbeit mit der nicht-narrativen Trilogie The Last of England (1987), War Requiem (1988) und The Garden (1990) dem Experimentellen zu. Mit zwei historisch-biografischen Werken, die noch gewagter waren als Caravaggio, vollendete er eine weitere inoffizielle Trilogie: die Marlowe-Adaption Edward II (1991) und Wittgenstein (1993). Das letzte Filmprojekt, das Jarman vor seinem Tod im Alter von 52 Jahren im Jahr 1994 fertigstellte, überwand das Bewegtbild gänzlich: Blue (1993), ein Epos in gefrorenem Azurblau.
Jarmans Œuvre umfasst elf Langfilme, die Super-8-Kompilationen In the Shadow of the Sun (1974/81) sowie Glitterbug (1994 posthum von Freunden fertiggestellt), zahlreiche dynamisch aufbrausende Super-8-Kurzfilme sowie wegweisende Musikvideos. Gemeinsam bilden sie eine komplexe, interreferenzielle filmische Galaxie voll glitzernder Opulenz, in der jedes Element mit minimalen Mitteln erschaffen wurde.
Trotz geringer Budgets lernte Jarman, sich künstlerisch zu entfalten, indem er einen fantastischen Mikrokosmos schuf. Er prahlte damit, dass seine ersten sechs Filme zusammen weniger kosteten als die Million Pfund, die für die kolossalen Kulissen von Ken Russells The Devils (1971) ausgegeben wurden – an dem Jarman, vom Theater kommend, als Produktionsdesigner mitarbeitete. "Es gab keinen besseren Regisseur, von dem man lernen konnte", schrieb Jarman, "da [Russell] immer den gewagteren Weg einschlug, auch auf Kosten der Kohärenz."
Wie Russell galt auch Jarman als berüchtigt: Die Homoerotik in Sebastiane erschien 1976 skandalös, gerade als die Punk-Bewegung an den verknöcherten sozialen Normen rüttelte, schlugen die reaktionären Kräfte zurück. So setzte sich Jarman in den 1980ern vehement – im Leben und auf der Leinwand – für die LGBT-Rechte ein, da diese unter den konservativen Thatcher-Regierungen gesetzlich wieder eingeschränkt wurden, Caravaggios Motto zitierend: "Nec spe nec metu" – "Keine Hoffnung, keine Furcht."
Als fröhlicher, unerschütterlicher Kämpfer an der kulturellen Front war Jarman ein engagierter Internationalist und Weltbürger. So wie Großbritannien lange als – manchmal unglückliche – Mehrzweckbrücke zwischen Nordamerika und Europa fungierte, so hat Jarman mit seinen rubinroten Wizard-of-Oz-Schuhen die Avantgarde-Traditionen auf beiden Seiten des Atlantiks betreten. Anger, Jack Smith, Deren, Warhol treffen auf Pasolini, Fassbinder, Cocteau.
Jarman war vom Mittelalter fasziniert, sein Werk bewegt sich souverän zwischen den Jahrhunderten, er selbst war dabei fast buchstäblich ein "Renaissance-Mensch": Provokativ, poetisch, politisch, wandlungsfähig, phallisch; ein Pirat, ein Maler, ein Professor, ein Pionier, ein Punk, ein Universalgelehrter – ein Prinz. (Neil Young)
Live-Performance von Blue mit Simon Fisher Turner (Klavier, Laptop) und Neil Young (Interpretation) am 19. März 2026, Live-Klavier-Begleitung von Simon Fisher Turner am 20. März 2026
Einführung von James Mckay am 20. März 2026 sowie von Neil Young bei ausgewählten Vorstellungen
"Was ich vermisse, da es nun keine weiteren Filme von Derek Jarman geben wird: das Chaos, den Jargon, die Poesie, die Musik von Simon Fisher Turner, echte Gesichter, den Intellektualismus, die schlechte Laune, die gute Laune, die Frechheit, die Vorschriften, die Anarchie, die Romantik, die Klassik, den Optimismus, den Aktivismus, die Freude, den Dünkel, den Widerstand, den Esprit, den Kampf, die Farben, die Anmut, die Leidenschaft, die Schönheit." Tilda Swinton, 2002
Derek Jarman war nicht nur einer der bedeutendsten britischen Filmemacher, er nimmt prinzipiell eine führende Position unter den Kunstschaffenden seines Landes im 20. Jahrhundert ein. Der versierte Maler, Designer und Schriftsteller war 1986 der erste Filmregisseur, der für den renommierten Turner-Preis nominiert wurde. Im eigenen Land ein Magnet für Kontroversen – seine überschwängliche "Queerness" erzeugte in einer Zeit staatlich sanktionierter Homophobie Spannungen –, wurde er im Ausland verehrt. So sieht der US-Schriftsteller und Journalist Dennis Cooper in Jarman "Pasolinis wahren Nachfolger".
Pier Paolo Pasolini wurde im November 1975 im Alter von 53 Jahren ermordet. Im August 1976 feierte Sebastiane, Jarmans Spielfilmdebüt, beim Filmfestival Locarno Premiere, eine in Sardinien gedrehte, lateinisch gesprochene, mit Nacktheit gespickte Hommage an den Heiligen der römischen Legionäre. Nachdem der italienische Schriftsteller Alberto Moravia Sebastiane in Rom gesehen hatte, versicherte er begeistert, "dass Pier Paolo den Film geliebt hätte".
Es war ebenfalls in der Ewigen Stadt, wo Jarman als Kind seinen ersten Kinofilm sah: "Ich war eher Teil von The Wizard of Oz, als dass ich ihn nur gesehen hätte. Seither liebe ich diesen Film, eine Liebe, gepaart mit der dunklen Vorahnung über die emotionale Kraft von Filmen."
Diese verführerisch gefährliche Energie pulsiert durch den ersten "offiziellen" Punkfilm Großbritanniens, Jubilee (1978), und die radikalste Camp-Adaption von Shakespeare, The Tempest (1979). Das unorthodoxe Künstler-Biopic Caravaggio (1986) war Jarmans erste Zusammenarbeit mit der späteren Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton, die sich seither für ihren Mentor starkmacht.
Nachdem Jarman 1986 positiv auf das HIV-Virus getestet wurde, wandte er sich in seiner Arbeit mit der nicht-narrativen Trilogie The Last of England (1987), War Requiem (1988) und The Garden (1990) dem Experimentellen zu. Mit zwei historisch-biografischen Werken, die noch gewagter waren als Caravaggio, vollendete er eine weitere inoffizielle Trilogie: die Marlowe-Adaption Edward II (1991) und Wittgenstein (1993). Das letzte Filmprojekt, das Jarman vor seinem Tod im Alter von 52 Jahren im Jahr 1994 fertigstellte, überwand das Bewegtbild gänzlich: Blue (1993), ein Epos in gefrorenem Azurblau.
Jarmans Œuvre umfasst elf Langfilme, die Super-8-Kompilationen In the Shadow of the Sun (1974/81) sowie Glitterbug (1994 posthum von Freunden fertiggestellt), zahlreiche dynamisch aufbrausende Super-8-Kurzfilme sowie wegweisende Musikvideos. Gemeinsam bilden sie eine komplexe, interreferenzielle filmische Galaxie voll glitzernder Opulenz, in der jedes Element mit minimalen Mitteln erschaffen wurde.
Trotz geringer Budgets lernte Jarman, sich künstlerisch zu entfalten, indem er einen fantastischen Mikrokosmos schuf. Er prahlte damit, dass seine ersten sechs Filme zusammen weniger kosteten als die Million Pfund, die für die kolossalen Kulissen von Ken Russells The Devils (1971) ausgegeben wurden – an dem Jarman, vom Theater kommend, als Produktionsdesigner mitarbeitete. "Es gab keinen besseren Regisseur, von dem man lernen konnte", schrieb Jarman, "da [Russell] immer den gewagteren Weg einschlug, auch auf Kosten der Kohärenz."
Wie Russell galt auch Jarman als berüchtigt: Die Homoerotik in Sebastiane erschien 1976 skandalös, gerade als die Punk-Bewegung an den verknöcherten sozialen Normen rüttelte, schlugen die reaktionären Kräfte zurück. So setzte sich Jarman in den 1980ern vehement – im Leben und auf der Leinwand – für die LGBT-Rechte ein, da diese unter den konservativen Thatcher-Regierungen gesetzlich wieder eingeschränkt wurden, Caravaggios Motto zitierend: "Nec spe nec metu" – "Keine Hoffnung, keine Furcht."
Als fröhlicher, unerschütterlicher Kämpfer an der kulturellen Front war Jarman ein engagierter Internationalist und Weltbürger. So wie Großbritannien lange als – manchmal unglückliche – Mehrzweckbrücke zwischen Nordamerika und Europa fungierte, so hat Jarman mit seinen rubinroten Wizard-of-Oz-Schuhen die Avantgarde-Traditionen auf beiden Seiten des Atlantiks betreten. Anger, Jack Smith, Deren, Warhol treffen auf Pasolini, Fassbinder, Cocteau.
Jarman war vom Mittelalter fasziniert, sein Werk bewegt sich souverän zwischen den Jahrhunderten, er selbst war dabei fast buchstäblich ein "Renaissance-Mensch": Provokativ, poetisch, politisch, wandlungsfähig, phallisch; ein Pirat, ein Maler, ein Professor, ein Pionier, ein Punk, ein Universalgelehrter – ein Prinz. (Neil Young)
Live-Performance von Blue mit Simon Fisher Turner (Klavier, Laptop) und Neil Young (Interpretation) am 19. März 2026, Live-Klavier-Begleitung von Simon Fisher Turner am 20. März 2026
Einführung von James Mckay am 20. März 2026 sowie von Neil Young bei ausgewählten Vorstellungen
Link Mitwirkende
Innerhalb der Schau sind die Filme in der Reihenfolge ihrer Programmierung angeordnet.