Kulturerbe digital
Filmsammlung Mayer
Seit Mitte der 1970er Jahre übergab der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Kurt Mayer Filmmaterialien dem Österreichischen Filmmuseum zur Konservierung. Darunter befanden sich nicht nur seine eigenen Werke, sondern ebenfalls zahlreiche Nitratfilme aus der Hinterlassenschaft seines Vaters Rudolf Mayer und des 1923 vom Großvater Gustav gegründeten Familienunternehmen "Mayer's Filmaktualitätenbüro" (ab 1929 auch "Mayer's Filmbüro"). Gustav Mayer arbeitete seit den 1910er Jahren als Kinematographenbesitzer und war, wie so viele Pioniere der Filmgeschichte, ein freier Kleingewerbetreibender. Das "Handwerk" Kino war dabei vor allem eine unternehmerische Aktivität. In Zusammenarbeit mit seinen beiden Söhnen Rudolf und Adolf entwickelte sich Gustav Mayers Firma in den 1920er Jahren zu dem wohl wichtigsten Produzenten von Aktualitäten in Österreich. Ihr "Filmbüro" dokumentierte dabei zahlreiche historisch bedeutende Ereignisse der Ersten Republik, bspw. den Wiener Justizpalastbrand von 1927.Doch die Filme der Mayers sind nicht nur Dokumente einer bewegten österreichischen Geschichte zwischen Erster und Zweiter Republik, sondern stehen ebenfalls am Scheidepunkt medientechnischer und filmhistorischer Veränderungen. So etablierte der Familienbetrieb mit der "Selenophon Tonfilmschau Austria" von Dezember 1930 bis August 1932 eine zweiwöchentlich erscheinende Wochenschau (die "Selenophon- Licht und Tonbildgesellschaft "entwickelte das erste österreichische Tonfilmverfahren) und fokussierte sich Mitte der 1930er Jahre sehr erfolgreich auf Werbe- und Kulturfilme. Nach dem Tod von Gustav Mayer 1936 ging die Geschäftsleitung an den jüngeren Bruder Adolf, der das Unternehmen 1938 in "Adi Mayer Film" umbenannte. Rudolf Mayer gründete 1937 seine eigene Firma. Nach der Annexion Österreichs produzierten beide jeweils getrennt Kulturfilme für die "Wien-Film" und wurden im Krieg als Kameramänner und Produktionsleiter der "Deutschen Wochenschau" eingezogen.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Brüder getrennte Wege. Während Adi Mayer seine Firma wieder als erfolgreiche Werbefilmproduktion etablieren konnte, gestalteten sich die Aufträge für den eher technisch versierten Trickfilmer Rudolf weniger lukrativ. Was sich in den vorliegenden Materialien abbildet, bleibt als Vermächtnis des älteren Rudi bisweilen fragmentiert und unabgeschlossen. Die Auswahl von Aktualitäten, Werbe- und Familienfilmen verdeutlicht jedoch mehrere für die Produktion der Mayers und ihr Filmschaffen charakteristische Motive: eine konsequente Wiederverwertung von Filmmaterialien für die Aktualitäten und Werbefilmproduktion bei gleichzeitiger Durchdringung von Geschäftlichem und Privatem, den effektiven und detailverliebten Einsatz von Trickanimationen und ein spezifischer Wiener Sound, der heute einen einzigartigen Einblick in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ermöglicht. (Jan-Hendrik Müller)
Im Rahmen des Förderprogramms "Kulturerbe digital" des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport wurde zwischen 2024 und 2026 ein Großteil der Mayer-Produktionen – vielfach nur überliefert auf fragilem Nitrozellulosematerial – digitalisiert, recherchiert und erschlossen und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine Auswahl der Werke sowie eine ausführliche Beschreibung sind hier zu finden. Die gesamten Werke sind zudem über die Plattform Kulturpool abrufbar.
Filmauswahl
Gefördert vom Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport im Rahmen des Förderprogramms "Kulturerbe digital 2".
















