Filmsammlung Mayer

Die Enthüllung des Dr. Karl Lueger Denkmales


1926, 35mm, sw, 10 min

Regie: Gustav Mayer
Produktionsfirma: Mayer's Filmaktualitätenbüro
Filmmuseum Signatur/ID: FID-2321

Der von Gustav Mayer produzierte Film zeigt die Feierlichkeiten zur Enthüllung des Karl Lueger Denkmals am 19. September 1926 am dafür umbenannten Dr. Karl Lueger-Platz im 1. Wiener Gemeindebezirk. Die Festveranstaltung begann zunächst mit einem von Kardinal Piffl abgehaltenen Gottesdienst in der Dominikanerkirche. Ab 10 Uhr folgte die Enthüllung des vom Bildhauer Josef Müllner geschaffenen Denkmals mit Reden von Leopold Kunschak, dem Obmann des Denkmalkomitees und Bürgermeister Karl Seitz. Nach der Kranzniederlegung hielt Ignaz Seipel, damaliger Obmann der Christsozialen und ab Oktober 1926 erneut Bundeskanzler, eine kurze Ansprache. Ebenfalls konzertierte die Kapelle Ganglberger und der von Viktor Keldorfer geleitete Männergesangsverein Schubertbund, der zunächst "Die Ehre Gottes" von Beethoven und zum Abschluss "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauss vortrug.

Der Fokus des Films liegt vielmehr auf dem sich anschließenden Festumzug, an dem 150.000 Menschen teilgenommen und 300.000 Wiener*innen als Zuseher*innen beigewohnt haben sollen. Die konservative Presse berichtete insbesondere von der 3 ½ Stunden dauernden Defilierung. Der Film zeigt jedoch nur einige der zahlreichen Umzugsgruppen außerhalb der eigentlichen Chronologie des Nachmittags. So ist die Eröffnung der Demonstration durch den "Eisernen Rathausmann zu Roß" zu sehen. Es folgen die Christlich-deutsche Turnerschaft, der Reichsbauernbund, die katholischen Studentenverbindungen, der christliche Frauenbund, die Wiener Bürgervereinigung, die katholischen Pfadfinder und Teile des Reichsbunds. Gegen Ende widmet sich der Film den Ehrengästen, u.a. der Schauspielerin Hansi Niese, fängt aber auch ein schönes Gesamtbild der versammelten Redner und Gäste aus Politik und Klerus ein.

Inwiefern das Ereignis als politische Zurschaustellung der Christlichsozialen Partei genutzt worden ist, zeigt ein Blick in die sozialdemokratische Arbeiterzeitung vom 20. September 1926. Hier findet die Enthüllung weit weniger Beachtung und bis auf ein Lob der Rede von Karl Seitz bleiben nur kritische Worte für das Ereignis: "Es war ein Zug des vergangenen Wien [sic!], ein Zug dahingeschwundener Macht und Größe, die sich ein letztesmal [sic!] noch mit Zylindern und historischen Trachten auf der Ringstraße zeigen wollten. Die Reihen stärkten große Abordnungen bürgerlicher und großbäuerlicher Kreise aus der Provinz." (Jan-Hendrik Müller)

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