Filmsammlung Mayer

Nur ein Märchen


1947-1948, 35mm, sw, 3 min

Regie: Rudolf Mayer
Produktionsfirma: Rudolf Mayer Film
Filmmuseum Signatur/ID: 1003-03-0054

In dem von Rudolf Mayer produzierten Werbefilm Nur ein Märchen praktiziert der Zauberer Moos Legumi seine "schwarze Magie", um Kindern eine Freude zu bereiten. Doch in seiner Glaskugel befindet sich am Ende nur eine Erbse. Mit einem Zauberspruch befreit er diese von ihrer Schale, während Bilder aus der industriellen Verarbeitung von Erbsen zu einem Schokoladenersatzpulver zu sehen sind. "Und der Brei, den ich entdeckt, fast wie Schokolade schmeckt", verlautet der Zauberer und hält letztlich eine Packung "Kakona" in die Kamera. Ein Sprecher erklärt daraufhin das Märchen: Kakona ist ein kalorienreiches Präparat mit kakaoähnlichem Geschmack, aus Wiener Produktion, ärztlich begutachtet und in Konditoreien erhältlich. Der Film schließt mit einer Gesangseinlage, welche die unterschiedlichen Verwendungszwecke für jegliche Süßspeisen, Torten oder Konfekt anpreist: "Kakona, das schmeckt!"

Mit der ideenreichen Märchengeschichte zeigt sich Rudolf Mayers Film durch kreative Kostümierung, Setdetails und einige Spezialeffekte als unterhaltsame Skurrilität in der Werbefilmproduktion der Nachkriegszeit. Die beliebte Wiederverwendung von Materialien aus der eigenen Aktualitätenproduktion der 1920er und 1930er Jahre zeigt sich hier einmal mehr in der Doppelbelichtung der Glaskugel mit Reitern aus der Selenophon Tonfilmschau Austria über die Pariser Kolonialausstellung von 1931 und einem Cameo-Auftritt von Rudolf Mayers erstem Sohn Gustav.

Die Datierung des Films ist nicht eindeutig geklärt. Der Film muss Ende der 1940er Jahre produziert worden sein. Denn Kakona Schokolade wurde erst seit Juni 1947 in einer Fabrik in Stadlau hergestellt, im November 1947 in einigen Wiener Zeitungen als Schokoladenersatz für das bevorstehende Weihnachtsfest beworben, die Herstellung jedoch schon wieder im Dezember des gleichen Jahres vom Ernährungsministerium untersagt. Ob der Film je zur Veröffentlichung kam, ist zu bezweifeln. (Jan-Hendrik Müller)

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