Filmsammlung Mayer
Das Hammerbrot Schlaraffenland
1937, 35mm, sw, 30 min
Regie: Rudolf Mayer
Produktionsfirma: Mayer's Filmbüro
Filmmuseum Signatur/ID: FID-1476688420582
Der 1937 produzierte halbstündige Werbefilm für die Hammerbrotwerke Wien ist wohl eine der aufwendigsten Produktionen von Mayer's Filmbüro in den späten 1930er Jahren. Wiederum zeichnete sich Friedrich Rothe-Lorm für das Drehbuch verantwortlich. Karl Eisele steuerte, wie auch in Wir haben Herz. Ein Film vom Wäschewaschen die Musik bei. Hervorzuheben sind auch die Zeichentrick-Sequenzen, die von Bruno Wozak und Karl Thomas erstellt wurden. Beide betrieben von 1935 bis 1941 ein Trickfilm- und Animationsfilmstudio in Wien Neubau.
Der Film folgt einem eindeutig werbenden Erzählstrang, der sich jedoch durch Spiel-, Industrie- und Trickfilmsequenzen unterschiedlicher formaler Mittel bedient. Ein spielendes Geschwisterpaar nimmt in der Sandburg das Backen schon einmal vorweg, bevor Onkel Karl, der für die Hammerbrotwerke arbeitet, überraschend auf Besuch kommt. Der Onkel hat zahlreiche Süßspeisen und Geschenke mitgebracht. Hervorzuheben ist hier die Zeitschrift "Das Hammerbrot-Schlaraffenland" – ein Comic, der gleichzeitig zu dem Film von den Hammerbrotwerken vertrieben wurde. Auf Nachfrage der Mutter beginnt Onkel Karl von den Hammerbrotwerken zu erzählen.
In der folgenden 16-minütigen Erzählung wird der Produktionsprozess der Hammerbrotwerke ausführlich erklärt. Von der Abnahme der Rohstoffe aus der Landwirtschaft führt der Film in die Fabrik und Herstellung unterschiedlicher Brotsorten und Mehlspeisen. Doch auch Verpackung und Distribution der Ware in den Bezirksfilialen der Hammerbrot werden detailliert dargelegt. Nachdem Onkel Karls Geschichte beendet ist und die Kinder ins Bett gehen, beginnt nach kurzer Gesangseinlage der Mutter, die in den Träumen der Kinder spielende Trickfilmsequenz vom "Hammerbrot-Schlaraffenland". In der Animation wird die zuvor erläuterte Backwarenerzeugung erneut technisch vereinfacht dargestellt und mit einem verspielten und humoristischen Schauwert versehen. Mit einer kurzen zusammenfassenden Montagesequenz aus der tatsächlichen Produktion und einem reimenden Kommentar endet der Film: "Drum kaufet stets bei Hammer ein, dann werdet ihr zufrieden sein, dann lebt ihr gut am Donaustrand, im Hammerbrot-Schlaraffenland."
Die Hammerbrotwerke wurden 1909 als gewinnorientierte Großbäckerei der Wiener Arbeiterschaft gegründet. Der ersten Fabrik in Schwechat folgte 1919 der im Film dargestellte Standort in der Floridsdorfer Schwaigergasse 19. Mitte der 1920er Jahre zählten die Hammerbrotwerke mit etwa 30 Verkaufsfilialen und 1400 Mitarbeitern zu einer der größeren Bäckereien der Stadt. Der Comic "Das Hammerbrot-Schlaraffenland. Das lustige Kinderblatt für kleine Hammerbrotfreunde" erschien erstmals im Jänner 1937 und muss als Ausgangspunkt für die zweigliedrige Werbekampagne aus Film und Kinderzeitschrift begriffen werden. Die Kampagne ist für die späten 1930er Jahre als eine durchaus aufwendige, aber nicht ungewöhnliche Strategie der Vermarktung und Kundenbindung zu bewerten. Wie erfolgreich die Werbekampagne letztendlich war, bleibt fraglich. In der hauseigenen Werkszeitung der Hammerbrotwerke wird im März 1938 die Belegschaft aufgefordert, Kritik im Bekanntenkreis an der Kinderzeitung und dem Werbetonfilm an die Geschäftsführung weiterzuleiten. (Jan-Hendrik Müller)