Filmsammlung Mayer

Die Leichenfeier der Sicherheitswache am 21. Juli


1927, 35mm, sw, 9 min

Regie: Gustav Mayer
Produktion: Mayer's Filmaktualitätenbüro
Filmmuseum Signatur/ID: 0003-02-0153

Die Ausschreitungen und der Brand des Justizpalastes am 15. Juli 1927 forderten 84 Todesopfer unter den Demonstrierenden sowie fünf bei den Sicherheitskräften. Der Filmemacher Gustav Mayer, mit Rudolf Mayer an der Kamera, hielt die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Schattendorfer Urteil in drei Filmen fest: "Der Brand des Justizpalastes in Wien", "Die Trauerfeier für die Opfer des 15. und 16. Juli 1927" sowie "Die Leichenfeier der Sicherheitswache am 21. Juli 1927". Unter dem Titel "Die Schreckenstage von Wien" wurden diese Filme später zu einem Gesamtwerk zusammengeführt. Bei dem vorliegenden Filmmaterial könnte es sich um ein Fragment aus diesem Kompendium handeln, da die Aufnahmen zur Trauerfeier deutlich kürzer sind als in der Zensurkarte der ursprünglichen Einzelproduktion angegeben.

Der Film eröffnet mit Szenen vom Begräbnis der Opfer der Ausschreitungen vom 15. und 16. Juli 1927. Die Aufnahmen zeigen den auf dem Platz vor dem zweiten Tor des Wiener Zentralfriedhofs errichteten Katafalk mit Särgen und Kränzen. Nach der Ansprache des sozialdemokratischen Abgeordneten Wilhelm Ellenbogen folgt eine Rede von Johann Koplenig, im Zwischentitel fälschlich als Friedrich Adler bezeichnet. Zeitgenössische Berichte beschreiben Koplenigs Auftritt als kommunistische Agitationsrede, die Unruhe auslöste und die der sozialdemokratische Politiker Albert Sever – im Bild ganz links zu sehen – vergeblich zu unterbrechen versuchte. Koplenig wurde wegen eines "Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung" angeklagt, später jedoch freigesprochen. Zum Schluss des Berichts über "Die Trauerfeier für die Opfer des 15. und 16. Juli 1927" wird eine Gruppe Republikanischer Schutzbündler, die gemeinsam mit der Gemeindeschutzwache für die Aufrechthaltung der Ordnung sorgten, ins Bild gesetzt.

Deutlich ausführlicher widmet sich der Film der Trauerfeier für die verstorbenen Sicherheitskräfte, die ein Zwischentitel als "Helden der Pflicht" bezeichnet. Hier richtet sich der Blick vor allem auf die staatliche Prominenz: Mitglieder der Bundesregierung, darunter Bundespräsident Michael Hainisch und Bundeskanzler Ignaz Seipel, werden bei ihrer Ankunft und im Trauerzug gezeigt; auch Polizeipräsident Johann Schober, der am 15. Juli den Schießbefehl erteilt hatte, ist zu sehen. Mehrere Einstellungen machen den Mediencharakter des Ereignisses sichtbar: Kameraleute erscheinen im Bild, einmal kreuzt ein Stativ das Sichtfeld. Ein Artikel in der Zeitschrift Die Stunde vom 23. Juli 1927 greift diese Atmosphäre auf und beschreibt, wie in der stillen Szenerie "das Kurbeln der Kinooperateure" zu hören ist. (Jona Haidenthaler)

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